Rürup-Rente unter Beschuss

Veröffentlicht am 16. Juli 2009

Als Rürup-Rente (auch Basis-Rente) hat man es nicht leicht in letzter Zeit. Von verschiedenen Seiten hagelt es Kritik. Gestern schoss die Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) eine Breitseite.

Der generelle Vorwurf: Der Vertrag läuft mindestens bis 60, ist also unflexibel. Die Auszahlung erfolgt nur als Rente. Falls eine Berufsunfähigkeitsversicherung eingeschlossen ist, müssen die Beiträge für die Altersvorsorge mindestens 50 Prozent ausmachen. Sonst stellt sich das Finanzamt bei der steuerlichen Absetzbarkeit quer.

Was beim Leser vielleicht als Kritik an den Versicherern ankommt, müsste eigentlich in Richtung Gesetzgeber zielen. Der wollte für Selbstständige eine steuerbegünstigte Alternative zur gesetzlichen Rente schaffen, er hat die Regeln 2005 im Alterseinkünftegesetz festgelegt. An meine gesetzliche Rente komme ich auch nicht ran, wenn ich zwischendurch Geld benötige.

Im Korsett staatlicher Vorgaben

Die Vorbehalte der Verbraucherschützer sind nicht ganz unberechtigt, doch die Versicherer richten sich nach den Vorgaben der Gesetze. Vielmehr sind die Vermittler aufgefordert, die passende Altersvorsorge zu verkaufen. Wenn ein Selbstständiger für sich und seine Lebensgefährtin etwas zurücklegen möchte, ist natürlich eine Rürup-Rente denkbar ungünstig. Denn im Todesfall erhält sie keinen Cent, solange die beiden nicht verheiratet sind. Auch so eine Vorgabe des Gesetzgebers.

Das starre Korsett des Vertrages sei gerade für Jungunternehmer, die vielleicht noch finanzielle Flautephasen erleben, nach Meinung der Verbraucherzentrale ein “Ausschlusskriterium”. Doch so klar steht die Sache nicht. Vielmehr sollten die Kunden auf das Tarifwerk achten. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente gibt es bei einigen Tarifen der Basis-Rente die Möglichkeit von Beitragspausen.

Gerade die Rürup-Rente auf Fondsbasis mit eingeschlossener Berufsunfähigkeitszusatzversicherung ist den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. “Solche Angebote sind aus unserer Sicht für die wenigsten Verbraucher sinnvoll, nicht selten sogar problematisch”, warnt die Finanzexpertin Andrea Hoffmann.

So geht der Vorwurf dahin, dass die eingezahlten Beiträge nicht garantiert sind. Der Kunde investiert in Fonds, die natürlich auch an Wert verlieren können. Gut, wenn die VZS mal wieder darauf hinweist, aber die Sache ist nicht neu.

Wer an die langfristig höheren Renditechancen an den Aktienmärkten glaubt, kann diese Tarife wählen. Bei der Basis-Vorsorge für´s Alter sollte man aber zweimal überlegen, ob eine klassische Rentenversicherung mit garantierten jährlichen Überschüssen nicht besser ist. Oder ein Produkt mit Garantiefonds, doch geht bei allen Garantieprodukten Rendite verloren.

Letzter Kritikpunkt: “Die Rürup-Rente erweist sich bis auf wenige Fälle nicht gerade als Renditeknüller.” Doch im Vergleich wozu? Eine Anfrage bei der Nürnberger Versicherung als Stichprobe ergab: Die Kosten liegen auf gleicher Höhe mit den anderen Rentenversicherungen. Zuschreibungen aus laufenden Überschüssen in der klassischen Variante sind identisch.

Gleiche Kosten, gleiche Überschüsse heißt auch: gleiche Rendite. Der Vorwurf träfe Rürup nicht stärker als beispielsweise Riester, aber auf Versicherungen stehen Verbraucherschützer bekanntermaßen ohnehin nicht.

Steuerprivileg in Frage gestellt

Ins Zwielicht geriet die Rürup-Rente auch in anderem Zusammenhang. Die Zeitschrift “Steuertip” (19/09) hatte vor Tarifen gewarnt, bei denen die steuerliche Absetzbarkeit zweifelhaft sei, und sich dabei auf ein Papier des Bayerischen Landesamtes für Steuern berufen.

Es ging dabei um solche Verträge, bei denen ein Todesfallschutz angeboten wird, der in der Beitragsphase parallel zum Versicherungsguthaben anwächst. Falls die Beiträge für die Rürup-Rente und den Todesfallschutz nicht getrennt kalkuliert sind, könnten die Finanzämter den Sonderausgabenabzug komplett verweigern. “Steuertip” empfiehlt deshalb, sich von den Versicherern die getrennte Kalkulation bestätigen zu lassen.

Doch Panik scheint noch nicht angebracht. Am Markt gibt es zwei Modelle. Die ersten Gesellschaften setzten neben die Rürup-Rente eine separate Risikolebensversicherung mit eigener Police und eigener Versicherungsnummer. Da stellt sich das Problem überhaupt nicht.

Später kalkulierten die Versicherer in die Basis-Rente einen Todesfallschutz ein. Der schüttet einen Betrag in Höhe der Einzahlungen aus, falls der Versicherungsnehmer vor dem Rentenalter stirbt. Das Geld fließt aber nur als Rente und nur an diejenigen, denen der Gesetzgeber ein Anrecht auf eine Hinterbliebenenrente zugesteht – also Ehegatten und Kinder, solange sie noch Kindergeld beziehen. Wie ein Experte einer Versicherung betont, gebe es damit kein Poblem bei der steuerlichen Absetzbarkeit.

tr

1 Kommentar zu “Rürup-Rente unter Beschuss”


Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] Bereits seit Einführung der Rürup-Rente, auch Basis-Rente genannt, wird heftig daran kritisiert. Dabei sollte sie vor allem für Selbständige Erleichterung bringen. Nun melden sich auch Verbraucherzentralen zum Thema Rürup-Rente zu Wort. Eine davon ist die Verbrauchzentrale in Sachsen. Denn diese ist der Meinung dass aufgrund der Laufzeit bis 60, die Basis-Rente unflexibel ist. So erfolgt die Auszahlung nur als Altersvorsorge und falls dann doch eine Berufsunfähigkeitsversicherung inbegriffen ist, muss trotz dessen der Beitrag der Rente mindestens 50% betragen. Ansonsten würde das Finanzamt nicht mitspielen. Nach Meinung der Verbraucherzentrale Sachsen sei gerade für Existenzgründer die Rürup-Rente zu steif, da in diesem Stadium der Selbständigkeit öfters Insolvenzen vorkommen und diese dann nicht abgesichert sind. Besonders die Rürup-Rente auf Fondbasis stößt bei der Verbraucherzentrale auf Kritik, denn sie ist viel mehr unpraktisch als hilfreich. Doch nicht nur in Sachsen wird an der Basis Altersvorsorge gemeckert. Auch in der Zeitschrift „Steuertipp“ hatte man vor den Tarifen gewarnt, da diese zweifelhaft bei der steuerlichen Absetzmöglichkeit sind. Doch diese Vorwurf ist unbegründet, da es solche Tarifangebote auf dem Versicherungsmarkt gibt. Mehr zum Thema hier. [...]

Kommentar hinterlassen

(erforderlich)

Facebook