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Segen oder Sünde: Solarenergie in der Diskussion

Veröffentlicht am 18. Oktober 2010

2011 steigen die Stromkosten – Schuld ist der Solarboom. Das war am Wochenende die Kernbotschaft vieler Artikel auf den Wirtschafts- und Verbraucherseiten. In den letzten Jahren waren die Erneuerbaren Energien in Deutschland beliebt. Auch das Ausland war von GreenTec made in germany begeistert. Und die Umlage, mit der die Stromkunden den im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehenen Ausbau der Erneuerbaren Energien subventionieren, war nicht so hoch, dass sie bemerkenswerte Protestwellen ausgelöst hätte: Bis zu diesem Jahr lag der Anteil der EEG-Umlage an den Stromkosten bei deutlich unter 10 Prozent. 2011 wird die 10-Prozent-Marke allerdings geknackt, 3,53 Cent pro Kilowattstunde zahlt jeder Stromkunde für die Erneuerbaren. Das sind rund 120 Euro pro Jahr für einen Eltern-Kind-Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Stromverbrauch. Mehr Geld, mehr Diskussionen: Das Image regenerativer Energien bekommt schon seit vielen Monaten immer mehr Kratzer – jetzt ist die Diskussion um Sinn und Unsinn der Förderung in vollem Gange.

Zu teuer, zu wenig Nutzen – sagen die Kritiker

Die Subventionen, die 2010 in zwei Stufen gekürzt wurden, seien immer noch zu hoch, sagen die Kritiker. Und die Förderung stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, merkt Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband an. Die rund 13 Milliarden Euro, die 2011 über die EEG-Umlage zusammenkommen, würden viele gerne anders einsetzen. So warnt auch der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer: “Der erwartete Anstieg der Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage um 70 Prozent treibt den Strompreis in die Höhe. Dies ist ein Alarmsignal. Die Erneuerbaren dürfen nicht zu einem unkalkulierbaren Risiko für den Strompreis werden.”

Den Sündenfall Solarstrom ruft gar das Flensburger Tageblatt aus: “13 Mrd. Euro zahlen die Bundesbürger für Sonnenstrom, der nicht mal einen Prozent des Bedarfs deckt und der auf absehbare Zeit nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen produziert werden kann. Solarstrom im sonnenarmen Deutschland zu fördern war ein teurer Sündenfall der rot-grünen Regierung, der schnellstens rückgängig gemacht werden sollte.”

Konkurrenzfähig und Arbeitsplatzmotor  – sagen die Befürworter

Die Befürworter kalkulieren anders. In einer letzte Woche veröffentlichten Studie rechnet Greenpeace vor, dass bei fairer Berechnung der Strompreise viele Anlagen der Erneuerbaren Energien bereits heute ohne Förderung konkurrenzfähig wären. Anders als bei Erneuerbaren Energien, wo die Förderkosten transparent auf den Strompreis umgeschlagen werden, werden Atomkraft und Kohle über Steuergelder und Vergünstigungen subventioniert, so die Argumentation. Die Nutzung der Atomenergie hat die Bundesbürger von 1950 bis 2010 Greenpeace zufolge mindestens 204 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln gekostet. Weitere 100 Milliarden Euro kämen künftig auch ohne die von der Bundesregierung geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke noch hinzu.

In der Rubrik “Pro” wird daneben der positive Effekt der Erneuerbaren Energien auf den Arbeitsmarkt gelistet. In einer jüngst vom Bundesumweltministerium veröffentlichten Studie schufen stellten die Erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr 340.000 Arbeitsplätze, was eine Verdopplung gegenüber dem Stand von 2004 bedeute. Bisherige Schätzungen seien von wesentlich geringeren Arbeitsplatzeffekten ausgegangen.

Öko oder Sparfuchs: Verbraucher haben Einfluss

Ein bisschen Abkühlung in der hitzigen Debatte kommt unterdessen vom Präsidenten der Bundesnetzagentur. Dafür, dass die 3,53 Cent Mehrkosten gar nicht erst komplett bei den Verbrauchern ankommen, setzt sich Matthias Kurth ein: “Verbraucher sollten nicht in vollem Umfang mit der erhöhten EEG-Umlage belastet werden. Die zunehmende Menge an Erneuerbarer Energie bewirkt sinkende Großhandelspreise, weil sukzessive teuere Kraftwerke aus dem Markt gedrängt werden. (…) Nach unseren Berechnungen müsste der Beschaffungskostenanteil bei den Haushaltskunden 2011 durchschnittlich um etwa einen halben Cent pro Kilowattstunde sinken.”

Ob die Preise tatsächlich um 1,5 Cent steigen oder nicht, der Stromkunde hat in gewissem Umfang trotzdem die Wahl. Er kann den Stromanbieter wechseln und als Befürworter auf Ökostrom umstellen – der in den meisten Fällen billiger sein kann als der Grundversorger. Oder er kann sich als gebeutelter Verbraucher konsequent den günstigsten Anbieter aussuchen.

1 Kommentar zu “Segen oder Sünde: Solarenergie in der Diskussion”

  1. Schaetzle sagt:

    Solaraktien haben massiv an Wert verloren. Anleger scheinen an der langfristigen Perspektive deutscher Unternehmen der Branche zu zweifeln. Die Konkurrenz aus Asien ist übermächtig, produziert viel billiger und wächst stärker. Zudem wird die Politik künftig statt der Solar- eher die Gas- und Windenergiebranche päppeln, lese ich in der Platow-Kolumne. Lohnt sich der Aktienkauf noch? Ist diese Technik in Deutschland noch zukunftsfähig?


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