Es klingt ein wenig nach einem Sommerloch-Thema. Die Bundesregierung macht Front gegen die 22-stelligen Kontonummern, die die Europäische Union 2013 für alle Überweisungen verbindlich einführen möchte. Die langen Zahlen seien zu kompliziert und verlangten deutlich mehr Konzentration beim Ausfüllen der Überweisungen, erklärte eine Sprecherin des Bundesfinanzministerums gegenüber sueddeutsche.de. Zumindest bei innerdeutschen Transaktionen sollen weiterhin die alten Kontonummern und Bankleitzahlen gelten. Die Geldhäuser müssten sie dann selbst in neuen Ziffern für den internationalen Zahlungsverkehr umwandeln.
Brüssel schafft in mehreren Schritten einen einheitlichen europäischen Zahlungsraum. Mit SEPA (Single European Payments Area), wie das Richtlinienbündel abgekürzt heißt, entfällt die Unterscheidung zwischen Inlands- und Auslandsüberweisungen in 27 EU- und vier weiteren europäischen Ländern. Das bringt für Unternehmen und Privatpersonen viele Erleicherterungen.
Aber auch Unannehmlichkeiten. Zum Beispiel sind Überweisungen und Lastschriften dann nur noch mit den ungeliebten langen IBAN-Kontonummern und den dazugehörigen bis zu elfstelligen Bankleitzahlen BIC möglich. Doch falls sich jetzt jemand über die EU-Bürokraten in Rage reden möchte (nach dem Motto “Das kann sich doch niemand merken.”), sollte er/sie zuvor einen Blick auf die IBAN und BIC werfen.
Meine IBAN lautet DE27760260000799XXXX00, die dazugehörige BIC NORSDE71XXX. Beim zweiten Hinschauen erkenne ich, dass es sich nicht um ein Zahlenmonstrum handelt und ich keinen Volkshochschulkurs benötige, um mir die Zahlen einzuprägen.
76026000 ist die herkömmliche Bankleitzahl, 799XXXX00 die alte Girokonto-Nummer. DE ist der Ländercode und steht für Deutschland, das ist keine Überraschung. Ich muss mir also lediglich die zweistellige Prüfziffer einprägen – 27.
Die Bankleitzahl BIC ist schwieriger, stellt aber keine unüberwindliche Hürde dar. Zuerst kommen vier Buchstaben, die sich die Bank als Abkürzung auswählt – bei mir NORS. Das steht für Norisbank. Anschließend wieder DE für Deutschland. Es folgt eine zweistellige Codierung des Ortes der Bank. Dabei haben die Macher des Zahlencodes der Einfachheit halber für meine Bank mein Geburtsjahr vergeben – 71. Komplizierter könnten bei manchen Banken die letzten drei Ziffern werden. Sie bestimmen die Filiale. Das entfällt aber bei der Norisbank, so dass hier nur XXX steht.
Ganz unberechtigt sind die Klagen über die langen Nummern vor einem anderen Hintergrund nicht. Seit vergangenem Jahr gleichen die Banken bei Überweisungen die Kontodaten nicht mehr mit den Empfängernamen ab. Ein Zahlendreher fällt also nicht mehr auf und das Geld landet beim falschen Empfänger. Von dort kann man es sich nur umständlich zurückholen. Mehr Zahlen ergeben einfach mehr Möglichkeiten, Fehler zu machen.
tr
