
Sturmschäden wie nach Xynthia oder Kyrill haben Unsummen gekostet. Foto: Andrea Seemann (fotolia.com)
Der Versicherungskonzern Allianz rechnet infolge des Wintersturms “Xynthia” mit einer Schadenbelastung von 100 Millionen bis 300 Millionen Euro. Wie der Leiter Research und Development der Rückversicherungstochter Allianz Re, Silvio Tschudi, sagte, umfasst diese erste Schätzung von der Allianz versicherte Schäden in Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal.
“Xynthia” wird sehr teuer
Das auf die Risikoanalyse von Katastrophen spezialisierte Unternehmen AIR Worldwide schätzt, dass die von “Xynthia” verursachten versicherten Verluste in Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden insgesamt zwischen 1,5 Milliarden und 3 Milliarden Euro betragen werden. Das Orkantief hatte Ende Februar den Norden Spaniens und Portugals erreicht und war anschließend über Frankreich nach Deutschland gezogen.
Winterstürme haben in der jüngsten Vergangenheit für enorme Schäden gesorgt und nicht nur Bäume umknicken lassen, sondern auch an den Nerven von Verbrauchern und Versicherern ordentlich gerüttelt. Ein Rückblick: Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge hat Sturm “Kyrill” Anfang 2007 Schäden in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro verursacht. Im März 2008 brachte der Sturm “Emma” Schäden von einer halben Milliarde Euro mit sich. Und künftig rechnen Fachleute als Folge des Klimawandels mit noch mehr Unwettern.
Schäden, die die Versicherer abdecken
Die SV SparkassenVersicherung hat eine Übersicht erstellt, welche Schäden Versicherer bei Sturm (für Schäden ab Windstärke 8 ) im Regelfall abdecken:
Schäden, die die Wohngebäudeversicherung abdeckt:
- umgefallene oder abgebrochene Bäume, Äste, Schornsteine, Masten, etc.
- abgedeckte Dächer
- eingedrückte Fensterscheiben und deren Folgeschäden (wie eindringende Niederschläge)
Schäden, die die Hausratversicherung abdeckt:
- Sturmschäden an der Wohnungseinrichtung und Folgeschäden (zum Beispiel nach einer Dachabdeckung)
- Bruchschäden an Fenster- und Türscheiben und Glasdächern sind in der Glasversicherung eingeschlossen ohne Rücksicht auf die Schadenursache. Kosten für eine erforderliche Notverglasung werden ersetzt.
Schäden, die die Kasko der Kfz-Versicherung abdeckt:
- parkendes oder stillstehendes Fahrzeug kippt durch den Sturm um
- der Schaden tritt durch umherfliegende Gegenstände ein (Ziegel, Dachpfannen, Äste, etc.)
Umfallender Baum kann auch “höhere Gewalt” sein
Reine Sturmschäden werden immer über die Teilkaskoversicherung reguliert, somit erfolge keine Hochstufung des Schadenfreiheitsrabattes bei Vollkaskoversicherten. Selbstbeteiligungen würden angerechnet, so die SV SparkassenVersicherung. Wenn das Auto während der Fahrt durch eine Sturmböe von der Straße abkommt, sei dies ein Vollkaskoschaden, da der Sturm nur mittelbar Einfluss auf den Unfall habe. Die Lenkbewegung des Fahrers trage in den meisten Fällen zum Schaden bei. Der Schadenfreiheitsrabatt werde belastet.
Wer durch “Xynthia” geschädigt wurde, der sollte sich umgehend an seinen Versicherer wenden. Es sollte jedoch alles unterlassen werden, was die Feststellung des Schadens erschweren könnte, riet ein Sprecher der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. In Absprache mit dem Versicherer seien dann die weiteren Schritte zur Beseitigung des Schadens einzuleiten. Allerdings sollten Gefahrenquellen sofort beseitigt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.
Hat ein nachweislich maroder Baum beim Umsturz Schaden angerichtet, müsse der Besitzer des Baumes oder dessen Haftpflichtversicherung den Schaden ersetzen. War der Baum jedoch gesund und sei trotzdem durch den Sturm umgefallen, gelte dies als “höhere Gewalt” und eine Haftung des Eigentümers sei ausgeschlossen, hieß es.
Winter 2009/2010: kalt, schneereich und viele kleine Schäden
Insgesamt habe der kalte und schneereiche Winter 2009/10 in Deutschland der Allianz zufolge vor allem eine Häufung kleinerer Schadensfälle produziert. Dazu gehörten Stürze auf vereisten Gehwegen, Rohrbrüche oder witterungsbedingte Firmenschließungen, wie es in einer ersten Bilanz weiter hieß. Allerdings sei der Winter kein Beweis für oder gegen einen Klimawandel, sagte Tschudi. Bedeutungsvoller seien vielmehr Trends. Tabellen und Studien wiesen darauf hin, dass die Temperaturen weltweit tatsächlich stiegen. Zugleich nähmen die Niederschlagsmengen in Form heftiger Regen- oder Schneestürme ebenfalls zu.
Mit Heftigkeit und Frequenz steige auch das Schadenpotenzial eines Naturereignisses, hieß es weiter. Mit steigender Tendenz resultierten inzwischen 40 Prozent der Schäden im Allianz Industrieversicherungsgeschäft aus Naturkatastrophen. “In den letzten dreißig Jahren haben sich die Versicherungsleistungen für Opfer von Wetterkatastrophen verfünfzehnfacht,” sagte Markus Stowasser, Meteorologe in Tschudis Team. “Nach unseren Schätzungen werden die versicherten Schäden zwischen 2010 und 2019 auf durchschnittlich 41 Milliarden Dollar pro Jahr zunehmen.”
ddp/min
