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Zahngesundheit: Große Wissenslücken über Kosten

Veröffentlicht am 05. November 2008

Beim Thema Zahnersatz setzen viele gesetzlich Versicherte auf die Regelversorgung.  Doch die kann teuer werden: Seit Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes gilt ein Festzuschusssystem, das nur lediglich eine Regelversorgung mit Standardzahnersatz bei Bezuschussung in Höhe von 50 Prozent vorsieht. Nur jeder dritte Deutsche hat hier mit einer privaten Zahnzusatzpolice vorgesorgt, jeder zweite plant einen konkreten Vertragsabschluss. Ein wesentlicher Grund für die fehlende Absicherung liegt in der unzureichenden Aufklärung.

Jeder Dritte gesetzlich Versicherte kann die Versorgungslücke beim Zahnersatz nicht einschätzen. Mit mehr als 50 Prozent haben gerade jüngere Versicherte bei den den gesetzlichen Zahnersatzleistungen den Überblick verloren. Das erschwert die Beurteilung des eigenen finanziellen Risikos. Kassenpatienten benötigen mehr Orientierungshilfen, um den eigenen Absicherungsbedarf richtig identifizieren und letztlich auch decken zu können. Dies ergab die Studie „Kundenkompass Zahngesundheit“ der Barmenia Krankenversicherung in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut.

Zahnrisiken trotz Prävention

Die Präventionsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte zeigen ihre Wirkung. Karies ist auf dem Rückzug, Kinder und Jugendliche haben so gute Zähne wie nie zuvor, Erwachsene und Senioren behalten ihre Zähne immer länger und verbessern damit ihre Lebensqualität. Aber neue Gefahren und vor allem hohe Kosten lauern im älter werdenden Gebiss. Paradontalerkrankungen nehmen zu und stellen somit die größte Gefahr für die Zahngesundheit dar.

So leiden bei den Erwachsenen über 50 Prozent unter einer mittelschweren und immerhin etwa jeder Fünfte sogar unter einer schweren Form der Paradontitis. Noch gravierender ist die Situation bei den Senioren, hier ist  fast jeder  (88 Prozent) von der Krankheit betroffen. Der demographische Wandel ist damit auch eine Herausforderung für die Zahngesundheit in Deutschland.

Zahnersatz und Kosten – ein unüberschaubarer Markt

Wer Zähne verliert, sorgt immer häufiger für Ersatz. Die Möglichkeiten hierbei sind vielfältig. Grundsätzlich lässt sich ein herausnehmbarer oder festsitzender Zahnersatz verordnen. Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Senioren geht der Trend zu festsitzendem Zahnersatz, insbesondere zu Implantaten. Mittlerweile ist jede dreißigste Zahnersatzneubehandlung eine mit Implantatanfertigung.

Bei allen Nachteilen eines befundbezogenen Festzuschusses bringt das neue System hier Vorteile: Die Zuschüsse der gesetzlichen Krankenkassen können auch für Implantate verwendet werden. Doch welche zusätzlichen Kosten bei Inanspruchnahme tatsächlich auf einen Patienten zukommen, wissen die wenigsten. 20 Prozent der Deutschen sind sogar der Meinung, Zahnersatz sei nicht separat versicherbar.

Unkenntnis über Kosten

Nicht nur auf der Leistungsseite, auch auf der Kostenseite bestehen Informationslücken. Über 40 Prozent  der gesetzlich Versicherten haben keine Vorstellung, wie hoch in etwa der Betrag ist, den sie bei einer regulären Zahnersatzbehandlung aus eigener Tasche zahlen müssen. Orientierung für eine Kosteneinschätzung geben hier die Festzuschüsse der GKV, die für jeden Befund eine bestimmte Regelleistung vorsehen und in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses nachzulesen sind. Nur liest diese kaum ein Patient.

Erschwerend kommt hinzu, dass Zahnersatzkosten allgemein schwer vorhersehbar und häufig individuell anders gelagert sind. Bei den Implantaten beispielsweise kann die Zuzahlung pro Implantat bis zu 2.000 Euro betragen. Der Grund dafür: Das Festzuschusssystem der GKV führt künstliche Zahnwurzeln nicht als Regelleistung auf. Stattdessen wird nach der günstigeren Regelversorgung „Brückenkonstruktion“ bemessen, mit der Folge einer hohen Eigenbeteiligung. Fast alle befragten Gruppen liegen mit ihrer Schätzung für diesen Fall unter 2.000 Euro. Deutlich darunter liegt die junge Generation zwischen 25 und 34 Jahren, mit einem denkbaren Eigenanteil von knapp 1.000 Euro.

Private Versicherungen schließen Finanzlücke

Um den Eigenanteil zu reduzieren und nicht auf hohen Kosten sitzenzubleiben, bieten sich Zahnzusatzversicherungen an. Diese schließen die Finanzierungslücken, haben sich aber noch nicht flächendeckend  durchgesetzt. Insbesondere das Kostenargument hält bislang viele gesetzlich Versicherte vom Abschluss einer Zahnzusatzversicherung ab. Zu Unrecht, da Zahlungsbereitschaft und tatsächliche Kosten nah beieinander liegen, so dass eine Mehrheit der Befragten am Versicherungsmarkt fündig werden würde.

Fast die Hälfte der gesetzlich Versicherten ist bereit, mehr als zehn Euro pro Monat für eine Zahnzusatzversicherung auszugeben. Jeder Dritte greift mit zehn bis unter 20 Euro noch tiefer in die Tasche. Versicherungsangebote gibt es bereits für fünf bis unter zehn Euro monatlich, wobei hier der Kostenerstattungssatz niedriger ausfällt. Die Verunsicherung ist groß: So beklagen 49 Prozent der Befragten vermeintlich hohe Kosten der Vorsorge, 29 Prozent ist das Leistungsspektrum der Privatversicherer unbekannt und 32 Prozent finden den Leistungskatalog der GKV intransparent.

Dabei sind die Informationslücken bei der jungen Generation am größten. Über die Hälfte kennt sich nicht mit den gesetzlichen Zahnersatzleistungen aus. 37 Prozent haben sich noch nicht mit dem Leistungsangebot der privaten Zusatzversicherer auseinandergesetzt. Doch gerade für die junge Generation ist das Thema relevant, denn ein Abschluss in jungen Jahren sichert eine günstige Zusatzversorgung.

(Quelle: aspect-online.de)

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