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Vermittler-Verband: "TÜV-Siegel weckt falsche Erwartungen"

Veröffentlicht am 04. Dezember 2009

“Unqualifizierte Prüfer, ungeeignete Prüfkriterien und unrichtige Prüfergebnisse sprechen gegen die Qualität der Zertifikate des TÜV Nord für geschlossene Fonds und Fondspolicen.” Diese Kritik ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sie stammt aus einer Studie des Arbeitgeberverbandes der finanzdienstleistenden Wirtschaft (AfW) vom Oktober. Der hatte darin den TÜV Nord und die Art und Weise, wie dieser die Plausibilität von Konzepten geschlossener Fonds prüft, unter die Lupe genommen.

Der schwelende Streit zeigt jetzt Wirkung. Die Gescholtenen rudern zurück, die Kriterien würden neu festgelegt und es werde derzeit kein Zertifikat vergeben. Die Reaktion von AfW-Vorstand Norman Wirth ist verhalten: “Ich möchte erst sehen, was der TÜV an seinen Kriterien ändert.”

Eigentlich verfolgte der Überwachungsverein ein hehres Ziel. Mit dem Siegel “Fondsplausibilität” wollte er Verbrauchern eine Schneise durch das Dickicht der geschlossenen Fonds schlagen. Dort herrscht teilweise eine geringe Transparenz und Anleger benötigen viel Know-how. Die Prüfer sahen sich vor Ort an, ob das Geschäftsmodell der jeweiligen Geldanlage plausibel ist.

Garantie auf die erwartete Rendite kann niemand geben

An dem Konzept kritisiert Norman Wirth gegenüber Aspect Online nicht nur fachliche Schwächen, sondern auch die grundsätzliche Ausrichtung: “Das Siegel weckt bei Kunden und Vermittlern Erwartungen, die nicht zu erfüllen sind. Eine Garantie auf die erwartete Rendite kann es nicht geben.” Problematisch sei das für Mitglieder des AfW, die als Finanzdiensleister unter anderem Beteiligungen an geschlossenen Fonds vertreiben. Würden sie sich blindlings auf das Zertifikat verlassen und daraufhin Fonds verkaufen, müssten sie im Fall von Verlusten Schadenersatzforderungen der Kunden fürchten.

Der Überwachungsverein hat reagiert und will nun stärker deutlich machen, dass er nicht als Ratingagentur auftrete. Ein neuer Fachbeirat soll die Prüfinhalte im Sinne des Verbraucherschutzes optimieren. Außerdem will man stärker mit Fachleuten aus der Fondsbranche zusammenarbeiten.

Der AfW-Chef bleibt skeptisch, ist sich aber bewusst, dass er auch keine seligmachende Lösung präsentieren kann. “Es wäre sicher schön, wenn die Bafin als Aufsichtsbehörde bei geschlossenen Fonds nicht nur Formalien prüft, sondern zusätzlich die Plausibilität des Konzepts und für dieses Testat auch noch haftet. Aber das ist illusorisch.”

Und so bleiben geschlossene Fonds vor allem eine Sache für erfahrene Privatanleger, die sich selbst kritisch mit der emittierenden Fondsgesellschaft und dem Konzept des Fonds auseinandersetzen.

tr

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