Da hatten die Produktexperten der Cosmos Direkt einen guten Riecher. Presseberichte über den Missbrauch von Kredit- und EC-Karten sorgen für hohe Sensibilität und ängstigen die Verbraucher. Was liegt da näher, als den Leuten die Angst zu nehmen und ein passendes Versicherungsprodukt anzubieten? Im Januar stellte der Direktversicherer passend seinen Konto-Schutzbrief vor.
Der Vertrag versichert gegen jeglichen Missbrauch beim Abheben am Geldautomaten, beim Bezahlen mit Kredit- oder Bankkarten sowie beim Onlinebanking. Zum Preis von 24 Euro jährlich für Singles (36 Euro für die Familie) übernimmt die Gesellschaft Schäden bis 50.000 Euro. Die Risiken, welche die Bankkunden damit absichern, liegen unterschiedlich hoch. Einserseits verlangt das Geldinstitut bei einem Kartenmissbrauch mittlerweile 150 Euro als Selbstbeteiligung. Benutzt der Dieb aber die korrekte PIN, gehen die Banken davon aus, dass der Girokonto-Inhaber leichtfertig mit seinen Geheimzahlen umgegangen ist, also fahrlässig gehandelt hat. Dann liegt beim Kunden die Beweislast, dass es nicht so war. Oft muss er für den gesamten Verlust aufkommen und der kann in die Tausende gehen.
Für seinen Konto-Schutzbrief heimste die Cosmos Direkt den von Axel Springer Financial Media ausgelobten Finanz-Preis Goldener Bulle in der Sparte “Versicherungsinnovation des Jahres 2010″ ein. Die Preise werden jährlich im Rahmen der Finanzen-Nacht in München in verschiedenen Kategorien vergeben.
Verbraucherschützer sehen keine Notwendigkeit
Weniger angetan war “Finanztest”, im März-Heft heißt es zum Konto-Schutzbrief: “Muss nicht sein.” Kunden würden nur bis zur Sperrung der Karte für Schäden haften. Wer sorgfältig sein Konto prüfe und Falschbuchungen schnell melde, könne größere Schäden abwenden und auf die Versicherung verzichten. Außerdem sei das maximale Risiko durch den Verfügungsrahmen der Kreditkarte oder durch den Dispo-Rahmen bei der EC-Karte begrenzt.
Wer wirklich nur versichert, was im Schadenfall eine echte finanzielle Bedrohung darstellt, der benötigt den Konto-Schutzbrief nicht. Trotzdem tendieren einige Kunden zu Convenience-Produkten, die von den kleinen Sorgen befreien. Sie könnten sich von der neuen Police angesprochen fühlen, ähnlich wie manche auch die Haushalts-Schutzbriefe abschließen, die unter anderem für den Schlüssel-Notdienst zahlen.
Ob auf Dauer ein eigenständiger Vertrag der richtige Ansatz ist, zeigt die Zukunft. Leichter ließe sich der Schutzbrief an die Frau und den Mann bringen, wenn die Bank ihn gleich bei Ausgabe der Karte anbietet. So wie man heute auch eine Elektronik-Versicherung fürs Handy zusammen mit dem Gerät erwerben kann. (Sicher auch kein notwendiger Vertrag.) Oder die Absicherung wird Teil der Hausratversicherung. Schon jetzt schließen Gesellschaften einige Fälle von Kreditkartenmissbrauch in einige Premium-Tarife ein. Die Interrisk zahlt beispielsweise bis 1.500 Euro, aber nicht generell, sondern wenn die Karte durch Einbruch, Raub oder Trickdiebstahl verloren gegangen ist.
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Glückwunsch, das ist mit Abstand die beste Bewertung des Produktes, die ich je gelesen habe!
Vorab: ich bin Kunde (gerade) von Cosmos, habe aber sonst absolut nichts mit Cosmos oder anderen Versicherern zu tun.
Allerdings nenne ich Mal die Tests von Finanztest & Co. eher “grob fahrlässig”. Ich wollte mich als Konsument bei diesen Tests informieren aber wirkliche Infos gibt’s von den nicht. Ach ja, man sollte vorsichtig sein statt so ein Produkt zu kaufen. Ja, und statt Haftpflicht werde ich einfach künftig sehr vorsichtig sein – so ein Blödsinn.
Ich habe es heute am Telefon mit meiner Sparkasse bestätigt bekommen, dass eine einfache Diebstahl der Karte und danach Abheben vom Dritten mit PIN “grob fahrlässig” heißt.
Beweislast -> Kunde. Als ob man irgendetwas über ein gestohlenes Portemonnaie beweisen kann.
Bisher, sagte mir der Bankkaufmann, hat die Sparkasse immer Recht mit diesem Kurs gehabt (heißt: vorm Gericht).
Also: wenn jemand die PIN ausspioniert (oder hackt: totsicher würde ich eine PIN auf der Karte nicht wirklich nennen) und dann die Karte klaut, haftet der Karteninhaber bis das Kartenlimit bzw. Tageslimit.
Und das ist genau der springende Punkt, weil genau dieses Limit von den meisten Banken nicht pro Kunde gesetzt werden kann. Bei meiner Bank ist das Kartenlimit 1.000 EUR, nicht veränderbar und das ist auch pro Tag.
Vielleicht sind die Redakteure von Finanztest & Co. sehr wohlhabende Leute, aber wenn ich zwischen 36 EUR im Jahr und 1.000 EUR Verlust pro Tag wählen muss, dann nehme ich 36 EUR.
Für welchen Kunden ist ein 1.000 EUR-Verlust bitte keine finanzielle Bedrohung?