Versicherungsmanager drohen Kombi-Policen an

Veröffentlicht am 08. Oktober 2009

Einzelverträge werden wohl in der Versicherungsbranche zum Auslaufmodell, wenn man die Ergebnisse einer Umfrage der Unternehmensberatung Steria Mummert liest. Die Policen aus verschiedenen Sparten könnten zukünftig zu Bündelprodukten verschmelzen, die den Kunden in jedem Lebensabschnitt umfassend schützen. Am Ende soll vielleicht ein Rundum-Sorglos-Paket stehen, bei dem auf der einen Seite eine ganze Menge Geld hineinfließt und auf der anderen Seite für jede Lebenslage das richtige Versicherungspaket herauskommt. Das passt sich obendrein den wechselnden Bedürfnissen an.

Steria Mummert Consulting befragte dazu Entscheider von Versicherungsunternehmen. Acht von zehn Managern gehen davon aus, dass solche Versicherungslösungen in naher Zukunft stark zunehmen werden.

Sparen und Berufsunfähigkeitsschutz nicht koppeln

Wir dagegen hoffen, dass es nicht so kommt. Natürlich möchten die Lenker der Assekuranz Kombi-Policen verkaufen, schließlich lässt sich damit leichter das Geld der Kunden einsammeln. Aus Sicht der Verbraucher sprechen aber wichtige Gründe dagegen:

Ein ganz entscheidendes Argument richtet sich immer wieder gegen die Kombination von Kapitallebens- oder Rentenversicherungen mit dem Schutz bei Berufsunfähigkeit (BU). Die Altersvorsorge muss man vielleicht bei einem finanziellen Engpass einmal aussetzen oder gar kündigen. Auf den BU-Schutz kann man dagegen nie verzichten. Also: Beides nicht koppeln!

Im Altersvorsorgebereich gibt es bereits weiter gehende Paket-Tarife. Ein gleichmäßiger Beitrag fließt dann beispielsweise in eine Fondsanlage und aus diesem Topf speisen sich die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Risikolebensversicherung. Diese Vertragsteile können je nach Lebenslage herauf- oder heruntergesetzt werden. Geld, das dafür nicht benötigt wird, bleibt im Sparschwein. Bei dieser Konstruktion müsste der Kunde davon ausgehen, dass ein dauerhaft gleichbleibender  Betrag das Richtige für seine Vorsorge ist. Er wird nur unterschiedlich verteilt. Doch was passiert bei Schwankungen im Gehalt oder bei einer Baufinanzierung?

Bei Sachversicherungen flexibel bleiben

Auch Kombinationen von Sach- und Lebensversicherungen weisen nicht in die Zukunft. Erste Schritte gebe es laut Steria Mummert bereits bei Angeboten für die Generation 50 Plus. Bündel-Produkte für diese Altersgruppe beinhalten neben einer Rentenversicherung die private Pflegeversicherung, Rechtsberatung und ein Sterbegeld. So eine Kombination dient nur vordergründig den Bedürfnissen der zukünftigen Senioren.

Erstens ist ein Sterbegeld (oder Begräbnisvorsorge) nur in seltenen Fällen sinnvoll, sie wäre bei den meisten überflüssigerweise im Paket enthalten. Zweitens stört die Verquickung der Bereiche Sach und Leben: Eine Rente wird man wohl selten kündigen wegen der sonst fälligen erneuten Abschlusskosten.

Bei einer Rechtsschutzversicherung ist ein Vergleich der Preise und Bedingungen dagegen einmal im Jahr ratsam. Vielleicht stellt sich heraus, dass der Vertrag teuer ist oder andere Anbieter mittlerweile höherwertigen Schutz bieten. Dann muss man seinen Schutz problemlos umstellen können und darf nicht an Paketlösungen gebunden sein. Kein Versicherer ist in allen Sparten preiswert und innovativ zugleich. Deshalb meinen wir, die Zukunft sollte nicht den Kombi-Produkten gehören.

Von Toralf Richter

Kommentar hinterlassen

(erforderlich)

Facebook