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Wackliges Pfund – Die Insel geht aber nicht unter

Veröffentlicht am 04. März 2010

“Das Pfund kollabiert”, so dröhnen derzeit Meldungen. Spekulanten, heißt es, seien schon am Markt aktiv. Tatsächlich rutschte das Pfund in den vergangenen Tagen auf den tiefsten Stand seit Mai 2009.

Vince Stanzione, ein Self-Made-Millionär und Autor von Geldanlageratgebern, ist sicher kein Freund der leisen  Töne. In einer Pressemitteilung legte er Investment-Legende Jim Rogers die aktuelle Analyse in den Mund, das Pfund könne innerhalb von Wochen zusammenbrechen und ein Absturz, schlimmer als der 30-Prozent-Verlust nach dem August 2008, kündige sich an. Dumm, dass er nur einen Tag später die Meldung zurückziehen musste. Jim Rogers, Redner auf einigen von Stanziones Events, hatte die Aussage nicht abgesegnet. War es ein peinlicher Fehler oder nicht doch eine gezielt inszenierte Provokation?

Auch solidere Stimmen sehen Gefahren. Nick Beecroft, Währungsexperte der dänischen Saxo Bank, erkennt in der aktuellen Situation eine Flucht in den Dollar und einen beginnenden Kollaps des Pfundes. Einige Daten sprechen gegen die Insel-Währung. Die Haushaltslage ist prekär, die Neuverschuldung könnte dasselbe Ausmaß wie in Griechenland erreichen. Zahlreiche Spekulationen gibt es um den Ausgang der Wahlen, es droht ein Patt im Parlament, das wichtige Entscheidungen für eine Erholung der Wirtschaft erschwert und verzögert. Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte die Rating-Agentur Standard & Poors die Bonität Großbritanniens mit einem Ausblick “negativ” versehen, ließ aber das Triple-A-Rating unverändert.

Immmerhin eine Abwärtsbewegung erwarten die Citigroup-Analysten Michael Saunders und Mark Schofield: “Das Pfund ist sehr verwundbar.” Die Gefahren seien nicht vollständig in die Anleiherenditen eingepreist. Sie könnten im Zuge einer Haushaltskrise und eines fallenden Pfundkurses auf 4,75 Prozent steigen, falls es nicht zu einer stabilen konservativen Regierung kommt.

Von einem Kollaps geht die Commerzbank-Analystin Antje Praefcke nicht aus. “Im Verhältnis zum Euro könnte das Pfund sich abschwächen und die Marke von 94 Pence erreichen.” (Aktuell 90,8 Pence, d. Red.) Rein wirtschaftstheoretisch sei es damit aber unterbewertet. Zum Jahresende dürfte sich der Kurs wieder um 88 Pence bewegen.

tr

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