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Wechselkennzeichen: Auf dem Weg zum Flop?

Wechselkennzeichen gibt es bereits in Österreich und der Schweiz. In den Nachbarländern spart man damit bei Steuer und Versicherung. Deshalb war die Idee, das W-Kennzeichen auch in Deutschland einzuführen, im Verkehrsministerium schnell populär. Für Anfang 2011 hatte man es ursprünglich eingeplant, nun dauert es doch länger. Ob das neue Nummernschild überhaupt das Zeug hat, die Kennzeichen-Charts zu stürmen, ist unterdessen alles andere als sicher.

So funktioniert das W-Kennzeichen:

Mit dem Wechselkennzeichen lässt sich mehr als ein Fahrzeug mit nur einem Nummernschild betreiben. Die Fahrzeuge verfügen über einen festen Teil des Kennzeichens, der immer am Fahrzeug bleibt, um es eindeutig zu identifizieren. Der mobile Teil wird an dem Fahrzeug angebracht, das gerade in Betrieb ist – und damit auch versichert ist. Die anderen Fahrzeuge dürfen währenddessen nur auf privatem Grund abgestellt werden, also zum Beispiel im Hof oder der Garage.

So sieht der bisherige Plan aus:

Das Verkehrsministerium will das Wechselkennzeichen im Sommer 2011 für bis zu drei Fahrzeuge einer Kategorie einzuführen, also z.B. für bis zu drei Autos oder bis zu drei Motorräder. Ob Wohnmobile in die Kategorie der PKW fallen, ist noch offen.

Attraktiv soll das Wechselkennzeichen vor allem durch finanzielle Anreize bei Steuer und Kfz-Versicherung werden.

Das Ministerium erhofft sich zudem ökologische Effekte: Besitzern größerer Wagen soll das W-Kennzeichen einen Anreiz bieten, kleine, Sprit sparende Stadtautos oder Elektromobile zu kaufen.

Wird das W-Kennzeichen unter diesen Voraussetzungen eingeführt, könnte davon ein “spürbarer konjunktureller Impuls auf den deutschen Automobilmarkt ausgehen”, so das Institut für Automobilwirtschaft (IFA). Träfen die Annahmen und Prämissen des Instituts zu, sei “eine Größenordnung von 80.000 bis 90.000 zusätzlichen PKW realistisch.”

Das könnte auf uns zukommen:

Aus der Einführung zum Sommer wird nichts, das W-Kennzeichen kommt in der zweiten Jahreshälfte oder zum Jahreswechsel. Das ist nicht unwahrscheinlich, denn eine Beschlussvorlage gibt es noch nicht – derzeit laufen in Berlin die Abstimmungen.

Die Kfz-Versicherung wird für das W-Kennzeichen, wenn überhaupt, nur marginal günstiger. Der Branchenverband GDV rechnet erst gar nicht damit, dass die Versicherer flächendeckend Tarife für das W-Kennzeichen anbieten. Entsprechende Fahrzeuge müssten dann, wie bisher, einzeln versichert werden. Aber selbst wenn diese Haltung nur als Seitenhieb auf das Verkehrsministerium zu verstehen sein sollte: Den Kfz-Versicherern geht die Luft aus. Die letzten Jahre waren von einem harten Preiskampf geprägt. Die ersten Versicherer haben den deutschen Markt bereits aufgegeben. Woher sollen da großzügige Rabatte für das W-Kennzeichen kommen? Höchstens aus der Quersubventionierung aus gewinnträchtigeren Bereichen. Trotzdem haben Versicherer wie ADAC oder Allianz entsprechende Tarife angekündigt. Sie müssen allerdings noch den Beweis antreten, dass diese mehr sind als ein Marketing-Gag.

Das Finanzministerium sagt “Nein” zur Steuerbegünstigung. Vor dem Hintergrund des bisherigen Sparkurses wäre das sogar naheliegend. Treffen beide Thesen zu, wird das W-Kennzeichen finanziell unattraktiv und damit auch insgesamt, gemessen an den Erwartungen, sehr wahrscheinlich ein Flop. Aber: Das Finanzministerium hat sich bisher nicht geäußert – die Spannung steigt.

Ökologisch wird das W-Kennzeichen keinen Meilenstein setzen. Auf der ein oder anderen Fahrt wird weniger Sprit verbraucht, weil sich der Besitzer eines Geländewagens ein kleines Stadtauto oder Elektromobil zulegt. Ein Auto, das Energie verbraucht und zu dessen Herstellung Energie nötig war, gibt es in jedem Fall. Das W-Kennzeichen sei “weder ökologisch noch sozial zu rechtfertigen, sondern ein Lobbygeschenk an Autofans”, fasst Winfried Hermann, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags die Haltung der Grünen gegenüber den Finanz-Tipps zusammen. Das Wechselkennzeichen unterstütze die, die sich hobbymäßig mehr als ein Auto leisten könnten. “Eine Familie mit zwei berufstätigen Eltern, die beide auf ein Auto angewiesen sind, profitieren von einer solcher Regelung nicht”, so Hermann weiter. Der Automobilclub von Deutschland, AvD, glaubt ebenfalls nicht an positive Auswirkungen auf die Umwelt: “Ein großer Umwelteffekt ist eher zu bezweifeln, weil vermutlich kaum Fahrten wegfallen werden”, so eine Sprecherin.

Niko Hurt

Author am 7. März 2011.

Tags:

Kategorien: KFZ-Versicherung

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